Der Körper weint mit: deine 7 stärksten Trauer-Symptome
- hannalabita80
- 18. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit

Es gibt diese krassen Momente im Leben, da bricht etwas weg, etwas total Wichtiges – ein Mensch, ein Zuhause, unsere ganze Welt.
Und plötzlich merkt man: die Trauer ist nicht nur in unserem Herzen oder im Kopf sondern sie sitzt im ganzen Körper. Ich erinnere mich an eine Frau nach einer Trauerfeier in München. Sie blieb stehen, hielt sich an ihrer Wasserflasche ganz fest und sagte: „Hanna, mein Kopf funktioniert nicht mehr. Ich bin nicht ich selbst.“ Und genau das ist Trauer. Nicht nur Tränen und nicht nur Schmerz, sondern es ist ein Zustand, der Körper und Seele einmal komplett durchrüttelt.
Wir sprechen so oft über Gefühle – aber kaum darüber, wie sehr Trauer körperlich ist. In diesem Beitrag zeige ich dir die 7 häufigsten körperlichen Trauer-Symptome und wie du vielleicht auch manchmal sanft gegensteuern kannst.
Deine 7 stärksten Symptome der körperlichen Trauer
1. Der „Trauer-Nebel“ – wenn der Kopf nicht mehr klar ist
Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, dieses „Neben-sich-Stehen“, kennt Ihr das? Viele Trauernde sagen: „Ich funktioniere nur noch auf Autopilot.“ Dieses Funktionieren nach Verlust ist ziemlich häufig nach einem Verlust zu sehen. Warum passiert das? Weil Trauer wie Dauerstress wirkt. Der Körper schüttet Cortisol aus – und das bremst unser Gehirn aus. Und das ist völlig normal und wie eine Art Schutzmechanismus.
2. Chronische Müdigkeit & Erschöpfung
Egal wie früh du schlafen gehst – du fühlst dich leer, ausgelaugt und gerädert. Der Grund dafür ist, weil Trauer Schwerstarbeit ist. Das Perfide daran: es wird von uns vollkommen unterschätzt. Aber Dein Körper versucht jeden Tag, etwas zu halten, das eigentlich zu groß ist.
3. Magen-Darm-Probleme & Appetitlosigkeit
Vielleicht spürst du eine latente Übelkeit, Magendruck und einen ständigen Kloß im Hals. Vielleicht hast du auch kaum Hunger. Oder im Gegenteil: Du stopfst dich mit Essen voll, schaust kaum, WAS du da zu dir nimmst. Das ist emotionales Essen. Der Grund hierfür ist, dass dein Darm direkt mit deinen Gefühlen verbunden ist (Darm-Hirn-Achse). Eigentlich managt unser Darm unsere Emotionen. Und wenn unsere Seele schreit, dann schreit unser Bauch eben direkt mit.
4. Muskelverspannungen & Schmerzen
Ist dein Nacken hart wie Stein? Dein Kiefer total verspannt? Und dein Rücken steif wie Beton? Der Körper zieht sich zusammen, wenn’s innerlich weh tut. Er erstarrt richtiggehend vor Trauer und Kummer.
5. Schlafstörungen
Du hast Ein- und Durchschlafprobleme, Albträume, wachst früh auf oder wachst mitten in der Nacht auf (ich wache gerne mal so um 3:00 Uhr auf) und du kannst nicht mehr einschlafen. Die Gedanken kreisen. Lassen dich nicht mehr zur Ruhe kommen. Trauer hält unser Nervensystem im Alarmzustand. Unser Körper glaubt, er müsste wachsam bleiben, in Habachtstellung sein. Es ist kein „schlechter Schlaf“ per se, auch wenn es sich für uns so anfühlt. Aber im Grunde versucht unser Körper, uns zu schützen. Trauer setzt unseren Körper ja so dermaßen unter Stress, dass er meint, er müsse reagiere.
Deshalb bleibt das Nervensystem im „Alarmmodus“. Der Körper hält uns wach, damit wir „aufpassen“ können –auch wenn keine echte Gefahr da ist. Darum wachen viele zwischen 2 und 4 Uhr auf. Das ist keine Schlafstörung im klassischen Sinn, sondern ein Körper, der sagt: „Ich halte dich wach, damit du sicher bist.“ Er meint es gut – aber es kostet natürlich unheimlich viel Kraft.
6. Erhöhte Infektanfälligkeit
Vielleicht kennst du das: du bist plötzlich ständig erkältet, hast immer irgendwo ein Wehwehchen und immer ist irgendwas? Chronischer Stress schwächt das Immunsystem. Dein Körper ist mit der Trauer beschäftigt –und hat weniger Kraft für Viren & Bakterien.
7. Herzrasen & Engegefühl in der Brust
Hattest du schon mal Herzrasen? Das fühlt sich sehr bedrohlich an. Manchmal ist das wie eine beginnende Panikattacke. Man denkt kurz "Das wars". Wichtig, wenn du das zum ersten Mal hast: lass körperliche Ursachen immer abklären. Geh lieber einmal zuviel wie einmal zu wenig zum Arzt. Aber ja – auch das kann Trauer sein. Der Körper drückt aus, was Worte nicht schaffen.
Jetzt wissen wir also, was der Körper alles mit uns macht, wenn wir trauern. Und irgendwie finde ich das sogar beruhigend. Weil wir so oft vergessen, auf unseren Körper zu hören. Er reagiert nicht gegen uns – er reagiert für uns. Er versucht, uns durch etwas hindurchzubringen, das für uns gerade einfach viel zu groß ist, um es nur im Kopf zu verarbeiten.
Dein Körper: Dein Verbündeter in der Trauer
Trauer ist keine Kopfsache. Sie ist eine Ganzkörper-Erfahrung. Sie sitzt in der Brust, im Nacken, im Magen, in den Schultern, in der Atmung und in der Art, wie wir aufwachen. Und genau deshalb dürfen wir auch den Körper mitnehmen, wenn wir versuchen, wieder ein bisschen Stabilität zu finden. Er braucht genauso Zuwendung wie unser Herz. Vielleicht sogar ein bisschen mehr. Bevor wir in die konkreten Tipps gehen, möchte ich dir eines mitgeben: Du musst nichts „leisten“. Du musst nicht funktionieren und Du musst nicht stark sein. Aber du kannst deinem Körper kleine, sanfte Impulse geben, die ihm helfen, die Last zu tragen.
Wie du deinen Körper entlasten kannst
Es gibt Dinge, die unseren Körper wirklich unterstützen –und uns in der Trauer ein Stück weit entlasten können.
1. Sanfte Bewegung – keine Leistung, nur Entlastung
Du musst keinen Marathon laufen. Ein einfaches Spazierengehen, leichtes Yoga, oder ein paar Minuten Schütteln (ja, wirklich, versucht das mal) können dein Nervensystem beruhigen. Gerade das Schütteln kommt aus der Trauma-Therapie und hilft, gespeicherte Anspannung loszuwerden. Probier es 30 Sekunden – es wirkt sehr. Ich schaue immer nur, dass mich dabei keiner sieht. Es sieht nämlich sehr wild aus.
2. Achtsamkeit – der Anker im Chaos Wenn der Kopf rast und der Körper eng wird hilft mir immer ATMEN. Und zwar total bewusst. Ich nenne diese kleine Übung das "ATEM-RESET". Atme mal 4 Sekunden ein, und dann 6 Sekunden aus. Und das wiederhole dreimal. Das fühlt sich an, als drücke jemand „Reset“. Das kannst du übrigens immer machen, auch im Büro, im Supermarkt, und es hilft auch, mögliche Panikattacken vorzubeugen.
Was auch richtig gut ist, ist ein kleiner "MINI-BODY-SCAN" Dabei gehst du vom Kopf bis zu den Füßen durch und fühlst in dich rein und fragst dich: „Wo spüre ich Verspannung?“ Im Magen? In den Schultern? Und dann atmest du da mal hin. Du nimmst die Verspannung einfach hin, bewertest gar nicht. Das hilft immer sehr, um sich bewusst zu werden, wie verspannt unser Körper gerade ist. Und es schafft wundersamerweise auch Verständnis für dich und deinem Körper.
Fazit: Dein Körper ist dein Verbündeter
Trauer ist harte Arbeit. Sie fordert dich emotional – und körperlich. Sie zieht dir Energie, sie verändert deinen Schlaf, dein Denken und auch dein Atmen. Sie nimmt Raum ein, den du dir nie ausgesucht hast. Darum: bitte sei nicht streng mit dir. Bitte erwarte nicht, zu funktionieren wie vorher. Niemand funktioniert „normal“, wenn das Herz schwer ist. Dein Körper meint es nicht böse, wenn er müde ist, wenn er schmerzt, wenn er nicht schlafen kann, wenn er dich überflutet oder lahmlegt. Er zeigt dir nur, was du brauchst: Ruhe, Verbindung, frische Luft und vor allem: Zeit. Trauer ist kein Fehler oder kein Rückschritt und kein Zeichen von Schwäche. Trauer ist ein Ausdruck von Liebe. Ein Zeichen dafür, dass da ein Mensch war, der wichtig war. So wichtig, dass dein Körper ihn mitbetrauert. Und genau deshalb ist dein Körper dein Verbündeter: er trägt dich durch diese Zeit –manchmal sehr holprig, manchmal laut, manchmal erschöpft –aber immer mit der Absicht, dich zu schützen, bis du wieder festen Boden unter den Füßen spürst.
Jetzt bist du dran
Jetzt du: Welches der 7 Symptome spürst du gerade am stärksten? Und was hilft dir im Alltag? Schreib’s gern in die Kommentare – vielleicht hilfst du damit jemandem, der gerade das Gleiche fühlt.
Ich hoffe, ich durfte euch mit diesem Artikel einen kleinen Einblick aus meiner Trauerarbeit München geben. Die soviel mehr ist wie man vielleicht anfangs denkt.
Eure Hanna, Trauerrednerin für München und Bayern




Kommentare