Kleine Schritte reichen völlig aus: 5 Wege, das neue Jahr in frischer Trauer sanft zu beginnen
- hannalabita80
- 1. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Der Januar fühlt sich für viele Menschen nach Aufbruch an. Nach „Neustart“. Nach „Jetzt wird alles anders“.
Für Trauernde dagegen fühlt sich dieser Tag oft an wie ein schwerer Stein auf der Brust. Man ist nicht bereit für ein neues Kapitel. Wie auch? Das neue Jahr schreit nach Zukunft – und das Herz hängt noch im Gestern.
Viele beschreiben mir dieses Gefühl so:„Wenn ich ins neue Jahr gehe, lasse ich das letzte Jahr mit meinem Mann zurück. Das will ich nicht.“ Und genau das ist normal. Es ist ein Reflex. Ein Festhalten. Ein Schutz.
Vielleicht hast du auch keine Energie für große Pläne. Vielleicht fühlst du dich überfordert, leer oder einfach nur müde. Auch das ist völlig in Ordnung.
Ich schreibe diesen Beitrag nicht, um dir irgendwelche Heilsversprechen zu machen. Das wäre respektlos gegenüber deiner Trauer. Ich möchte dir nur sanfte, machbare Schritte zeigen. Schritte, die kein „Neuanfangs-Feuerwerk“ verlangen – nur ein kleines bisschen Selbstfürsorge.
5 sanfte Wege, das neue Jahr achtsam anzugehen
I. Vorsätze sind tabu – Mini-Ziele sind erlaubt
Große Vorsätze können erschlagen.„Mehr Sport. Mehr Ordnung. Mehr Mut. Mehr Leben.“
Wer in frischer Trauer steckt, kann solche Erwartungen nicht tragen.
Darum mein liebevoller Gedankenanstoß: ersetze große Jahresvorsätze durch Ein-Tages-Ziele.
Kleine Dinge wie:
Heute gehe ich eine Runde spazieren.
Heute bade ich ausgiebig.
Heute trinke ich eine Tasse Tee mit Honig.
Heute rufe ich meine Freundin an.
Mehr muss nicht sein. Es geht nicht darum, das ganze Jahr zu überblicken. Es geht darum, den heutigen Tag zu überstehen – und ihn so sanft und liebevoll wie möglich zu gestalten. und vor allem machbar zu gestalten.
II. Der Kalender-Check – schwere Tage vorbereiten
Ein neues Jahr bedeutet auch neue „erste Male“ ohne deinen Menschen: der erste Geburtstag ohne ihn. Vielleicht der erste Hochzeitstag. Der Todestag. Vielleicht der gemeinsame Urlaub, der dieses Jahr nicht stattfinden wird.
Diese Tage tun weh. Und genau deshalb hilft ein kleiner Kalender-Check in der frischen Trauer:
Markiere alle Tage, die schwierig werden könnten.
Überlege JETZT: Wer kann mich begleiten?
Wen kann ich um Ablenkung bitten?
Was tut mir an solchen Tagen gut? Ruhe? Ein Spaziergang? Ein Anruf?
Vorbereitung nimmt dem Schmerz nicht die Macht –aber sie nimmt ein bisschen von der Angst.
III. Die „Verlorene-Zeit“-Falle vermeiden
Viele Trauernde haben denselben Gedanken:
„Wir hatten zu wenig Zeit.“„Ich hätte mehr tun müssen.“„Wir haben nicht genug erlebt.“
Diese Sätze tun so weh. Und doch sind sie nicht wahr.
Die Zeit, die ihr hattet, war richtig. Sie war euer gemeinsames Leben. So unperfekt, so alltäglich, so besonders, wie es war.
Wenn ich Trauerreden schreibe, merke ich immer wieder: Die Kraft liegt nicht in dem, was ihr noch hättet tun können. Die Kraft liegt in dem, was ihr HATTET.
Nutze diese Erinnerungen – nicht als Last, sondern als Quelle.
IV. Ein Erinnerungs-Ritual für das neue Jahr
Rituale helfen uns, Verbundenheit mitzunehmen. Und das muss nichts Schweres sein.
Vielleicht gefällt dir eines davon:
Ein Erinnerungs-Glas: Jeden Sonntag kommt ein kleiner Zettel hinein. Eine schöne Erinnerung, ein Moment, ein Gedanke. Ende des Jahres öffnest du das Glas.
Ein Symbolstück tragen: Eine Kette, ein Kleidungsstück, ein kleines Objekt, das dich begleitet.
Ein gemeinsamer Spruch oder Song als Start in das neue Jahr.
Es geht nicht darum, traurig zu sein. Es geht darum, die Verbindung zu halten – aber so, dass es Dich nicht niederkniet vor Schmerz, sondern dass du deine Traurigkeit an die Hand nimmst und mit ihr den Alltag bestreitest.
V. Die Macht des Wortes „Nein“ – Grenzen setzen ohne schlechtes Gewissen
Ein neues Jahr bringt automatisch neue Erwartungen:
„Kommst du mit?“, „Lass uns mal wieder…“, „Wir sollten mal…“
Und du darfst in dich hineinhorchen, ob du das wirklich möchtest. Ob es dir gut tut. Und wenn du zum dem Schluss kommst, dass es dir nicht guttun würde, darfst du antworten:
Nein. Nicht jetzt. Nicht so. Nicht heute.
Ein „Nein“ ist kein Rückzug aus dem Leben. Es ist ein Akt der Selbstfürsorge. Dein ganz ureigener Schutz für dein Herz.
Konzentriere dich nur auf Menschen, die dich JETZT stärken. Auf Aufgaben, die dich nicht überfordern. Auf Begegnungen, die gut tun – nicht die Energie rauben.
Grenzen sind kein Egoismus. Grenzen sind Heilung.
Fazit: Kleine Schritte reichen völlig aus
Wer meinen Blog regelmäßig liest, kennt diesen Satz vermutlich. Aber ich bringe ihn immer wieder an, weil er mir so wichtig ist: Trauer folgt keinem Kalender. Sie kennt keine ersten und keine letzten Tage. Sie braucht keine großen Vorsätze, keine Pläne, keine Perfektion.
Vielleicht ist das neue Jahr einfach… da. Und vielleicht reicht es, wenn du Schritt für Schritt hineingehst – ganz in deinem Tempo.
Die Liebe bleibt. Sie trägt dich. Und kleine Schritte sind völlig genug.
Deine Hanna
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