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Letzte Dinge regeln: der größte Liebesdienst für Deine Angehörigen

Mehrere bunte Aktenordner und Dokumente, die Letzte Dinge regeln Vorsorge symbolisieren.

Neulich klingelte bei mir das Telefon. Am anderen Ende war eine ältere Dame. Ihre Stimme war sehr ruhig, sehr klar und vielleicht ein ganz kleines bisschen zittrig.


Und dann hat sie mich was gefragt, was mich erstmal etwas aus der Bahn geworfen hat:

„Gestalten Sie Trauerreden auch mit Menschen, die noch leben?“


Sie erzählte mir, dass sie und ihre Freundinnen allesamt Witwen sind oder keine Kinder haben. Oder ihren Kindern auch nicht zur Last fallen wollen nach ihrem Tod. Und dass sie nicht möchten, dass irgendjemand später mit all dem „Kram“ allein dasteht.


Sie wollen selbst Vorsorge treffen. Selbst erzählen. Selbst gestalten.

Und sie möchten, dass ich ihnen dabei helfe.


Ich war ziemlich baff, um ehrlich zu sein. Baff vor so viel Mut. Baff vor dieser krassen Klarheit. Und ich war noch etwas: ich war auch sehr berührt.

Denn da wurde mir wieder bewusst, wie wichtig dieses Thema ist. Und wie wenig wir darüber sprechen.


Warum Vorbereitung beim Lebensende Liebe ist


Henry Ford sagte einmal: Wenn du denkst, dass du etwas kannst oder nicht kannst – in beiden Fällen hast du recht.“

Ich finde, das das genauso auch mit dem Lebensende ist.

Ob wir darüber sprechen wollen oder nicht – irgendwann kommt dieser Moment. Und dann stehen Menschen, die uns lieben, oft orientierungslos da. Oder habt Ihr schon mal mit all Euren Lieben darüber gesprochen, was ihnen für ihre Trauerfeier wichtig ist? Urne oder Sarg, kirchlich oder frei, welche Lieder dürfen gespielt werden? Die meisten wehren ab, wollen nicht drüber reden, sagen, das entscheidet ihr dann, ich bekomm das ja eh nicht mehr mit. Was den Angehörigen aber dann überhaupt nicht hilft, wenn es soweit ist. Denn wir wollen unseren Verstorbenen einen schönen Abschied bereiten, egal, ob sie es noch mitbekommen oder nicht. Es soll IMMER in ihrem Sinne sein. Ich habe wirklich noch keine Familie erlebt, die gesagt hat "ist egal, er oder sie bekommt es eh nicht mit".


Deshalb ist Vorsorge in meinen Augen wichtig und kein düsteres Hobby, sondern ein tiefer Akt von Liebe.



Der größte Liebesdienst: Orientierung in der Krise


Wenn ein Mensch stirbt, ist das wie ein Erdbeben. Alles steht Kopf. Nichts ist mehr logisch.

Und dann müssen die Angehörigen plötzlich Entscheidungen treffen:

Welche Musik? Welche Bestattung? Wo soll er/sie liegen?*Was hätte er/sie gewollt?*

Ich sehe das oft: Menschen sind in Schockstarreund gleichzeitig müssen sie funktionieren.

Wenn man vorher klare Hinweise lässt, nimmt man ihnen ein riesiges Paket von den Schultern. Und DAS ist in meinen Augen Liebe.


Mehr als Papierkram: Selbstbestimmung bis zum Ende

Und ja — es geht auch um uns selbst.

Wie möchte ich sterben? Was heisst für mich "in Würde sterben?" Wie sieht es mit dem "Händeln" der Schmerzen aus? Wer soll entscheiden, wenn ich nicht mehr sprechen kann?

Das sind Fragen, die uns schützen. Fragen, die uns unsere Selbstbestimmung bis zum letzten Atemzug lassen.


Die wichtigsten „Letzten Dinge regeln“ im Überblick

Damit Du für Dich (und Deine Liebsten) Orientierung bekommst, hier die wichtigsten Bausteine.


Patientenverfügung & Vorsorgevollmacht

Beides klingt trocken. Ist es aber gar nicht.

Es ist Deine Stimme — für den Moment, in dem Du selbst keine hast.


Wichtig:

  • Die Dokumente sollten auffindbar sein (nicht im Keller zwischen Weihnachtsdeko).

  • Am besten: eine Kopie beim Hausarzt und eine bei der Vertrauensperson.

  • Und bitte: einmal mit allen Beteiligten durchsprechen, was Du wirklich willst.


Als Trauerbegleiterin und Trauerrednerin habe ich oft erlebt, wie entlastend es für Angehörige ist, wenn diese letzten Dinge zu Lebzeiten mit dem Verstorbenen besprochen wurden.


Testament, digitaler Nachlass & das gute Porzellan

Ein Testament klärt das Formale.

Der digitale Nachlass klärt das Unsichtbare.

Und das Porzellanservice… ja, das klärt das Emotionale.

Denn oft geht’s nicht um Geld, sondern um Dinge voller Erinnerungen. Das Klavier. Die Kaffeetassen. Der Ring. Die Fotoalben.

Wenn Du vorher sagst, wem was wichtig ist – nimmst Du Streit und Unsicherheit aus der Familie.


Den Abschied mitgestalten: die Bestattungsverfügung

Beerdigung oder Einäscherung? Waldfriedhof oder Lieblingsplatz?

Ein kluger Friedhofswärter hat mir mal gesagt: wenn wir nicht sagen, wo wir hinwollen, entscheiden andere – und das kann schiefgehen. Und er hat so recht.

Du musst nichts in Stein meißeln. Aber eine Richtung angeben ist sehr hilfreich.

Das hilft Deinen Liebsten enorm.


Die Freiheit des Loslassens: entrümpeln & Entlasten

Jetzt komm ich zu einem Thema, bei dem sich die Meinungen sehr spalten:


Wenn man selber krank ist und man merkt, bald ist es soweit, kann man - sofern es die eigene Kraft zulässt, anfangen, das eigene Zuhause schon mal zu entrümpeln.

Klingt makaber? Vielleicht. Ich persönlich glaube aber, dass es das schönste Geschenk an meine Familie ist, das ich noch machen kann.


Das schönste Geschenk: keine Mordsarbeit hinterlassen

Wenn wir Dinge zu Lebzeiten weitergeben, entsteht etwas Wunderbares:

Mehr Platz. Ganz viel Leichtigkeit. Und oft: große Dankbarkeit von Seiten der Familie.

Spiele ich noch Klavier? Oder würde sich die Nichte darüber sehr freuen? Dann kann man überlegen, ob man das Klavier noch zu Lebzeiten verschenken möchte. Und die Freude des oder der Beschenkten noch selber mitbekommt.


Ich habe schon so viele Angehörige erlebt, die völlig überfordert vor einer Wohnung standen. Meine Eltern eingeschlossen. Als ihre Eltern gestorben sind. Zimmer für Zimmer. Objekt für Objekt musste man durchgehen und das meiste wurde weggeworfen oder verkauft. Manches haben wir behalten.

Ausmisten ist nicht nur Ordnung. Es ist Liebe. Es ist in gewisser Weise ein Geschenk.


Wenn man NICHT die Kraft dazu hat, ist das völlig ok. Aber ich denke, einen kleinen Gedankenanstoß zu diesem Thema darf gegeben werden. :-)


Meine Rolle als Trauerrednerin: die vorsorgliche Rede

Das ist der Punkt, den ich vorher nie so klar gesehen habe.

Als die sieben Damen zu mir kamen.

Sie wollten ihre Geschichten selbst erzählen. Ihre Abschiede mitgestalten. Nichts dem Zufall oder fremden Händen überlassen.

Und sie sagten wortwörtlich zu mir:„Wir möchten unseren Kindern diese Last nehmen – oder uns selbst, falls es niemanden mehr gibt.“

Das ist Vorsorge. Das ist Mut und auch ganz viel Liebe.


Und daher kam mir der Gedanke: eine vorsorgliche Rede oder Rede nach Wunsch ist auch ein Geschenk an meine Familie.

Für die Familien der Damen, sofern vorhanden war das völlig in Ordnung. Eine Tochter rief mich sogar danach an und meinte, sie hätte mit ihrer Mama ausgemacht, dass sie AUCH noch ein Gespräch mit mir führen darf nach ihrem Tod. Ich eben aber auch viel Input der Verstorbenen selbst habe. Das finde ich eine wahninnig schöne Lösung.


Ich glaube, dieses Trauergespräch mit mir zu Lebzeiten ist wie ein Gespräch mit sich selbst. Wie ein kleines Vermächtnis. Manche schreiben ihre Memoiren, andere sprechen mit einer Trauerrednerin :-)

Und den Damen tat das auch sichtlich gut. Es war für sie wie ein liebevoller Blick auf das eigene Leben: was war – und auf das, was bleiben soll.


Vom Wunsch zum Abschied: die Reden-Vollmacht

Als ich mit den Damen geredet habe, ist mir aufgefallen, dass eine Art „Rede-Vollmacht“ auch entstanden ist. Die Damen haben für sich entschieden, mir ihr eigenes Selbstbild zu erzählen. Sie haben mir Einblick gegeben auf Fragen wie:

  • Wer warst Du?

  • Was war Dir wichtig?

  • Was soll unbedingt gesagt werden?

  • Was nicht?

Ich lernte sie kennen. Ich konnte mir selber ein Bild machen und das Beste für sie: sie lernten mich kennen und es hat sich eine Beziehung gebildet. Sie wussten, sie konnten mir vertrauen. Was ich erzähle. Wie ich sie darstelle.

Das hat die Damen unheimlich viel Sicherheit gegeben. Vor allem denjenigen, die keine Nachfahren hatten.


Zurück zu den weniger spannenden Dingen: den Dokumenten. Den Patientenverfügungen, den Vollmachten, den eigenen Vorstellungen der Bestattung.


Jetzt handeln: Dein Liebesdienst für morgen

Vielleicht ist heute ein guter Tag, um anzufangen.

Nicht alles auf einmal. Aber ein Schritt.

Ein Dokument. Ein Karton. Ein Gespräch.

Und wenn Du — so wie die sieben wundervollen Damen — überlegst, Deine eigene Rede mit mir zu gestalten: ich gehe diesen Weg sehr gern mit Dir.


Denn Vorsorge ist kein Abschied vom Leben. Es ist ein Liebesdienst an alle, die bleiben.


Eure Hanna







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