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Stell Dir vor, Du bist tot: worum geht es in DEINER Trauerrede?

Zwei leere Campingstühle vor einer Bergkulisse bei Sonnenuntergang – Symbol für eine Lebensfeier und die Erinnerungen, die eine Trauerrednerin in München in ihren Reden festhält


Stell Dir vor, Du bist tot.


Ich weiß. Das ist absolut kein leichter Einstieg für einen Blogartikel. Nichts, bei dem man sich gemütlich zurücklehnt und denkt: jetzt entspanne ich mal kurz und lese. Und vielleicht ist das auch kein Einstieg, den man beim schnellen Scrollen erwartet?


Aber bleib kurz bei mir.


Stell Dir diesen Moment wirklich einmal vor: Du sitzt – rein gedanklich – auf Deiner eigenen Trauerfeier. LEBENSfeier, das Wort mag ich als Trauerrednerin viel lieber.


All die Menschen, denen Du wichtig warst, sind da. Deine Liebsten. Deine Freunde. Deine Bekannten. Deine Wegbegleiter. Sie sitzen da, halten Taschentücher in der Hand, schauen nach vorne. Und dann passiert das Herzstück jeder Zeremonie: die Trauerrede beginnt.


Und plötzlich geht es um Dich

Diese Rede erzählt Dein Leben. Oder zumindest das, was von Dir geblieben ist. Und genau da fängt es an, spannend zu werden. Denn jedes Mal, wenn ich als Trauerrednerin in München eine Rede vorbereite und halte, stelle ich mir unweigerlich dieselbe Frage:


Was würden meine Menschen eigentlich einmal über mich erzählen?


Und ganz ehrlich? In meinem Hinterkopf meldet sich dann oft eine kleine Stimme, die sagt: „Mein Sohn wird später mal sagen: Mama war immer im Stress.“


Und dieser Gedanke erwischt mich wirklich jedes Mal.


Wenn ich nach einem intensiven Angehörigengespräch nach Hause fahre.

Wenn ich gerade wieder ganz tief in einem fremden Leben war.

Wenn ich gesehen habe, was am Ende wirklich zählt.


Und ich möchte das nicht haben, diesen Gedanken. Und der Gedanke macht auch was mit mir. Lässt mich ziemlich nachdenklich zurück.


Welche Erinnerungen schaffst Du heute?

Auch wenn wir den Tod am liebsten weit von uns wegschieben, ihn vertagen oder ignorieren – diese Frage ist in Wahrheit nichts Düsteres. Sie ist vielmehr eine Einladung, für einen Moment stehen zu bleiben und ehrlich in uns hinzuspüren:


Welche Erinnerungen schaffe ich heute bei den Menschen, die ich lieb habe?


Nicht irgendwann in einer fernen Zukunft, wenn der Terminkalender es zulässt. Sondern jetzt. An genau diesem Tag. vielleicht genau in dieser Stunde. Denn die Antworten auf diese Frage sind meiner Meinung nach das, was unser Leben ausmachen. Die Essenz unseres Lebens sozusagen.


Es geht darum, wie die Welt uns wahrnimmt. Wie wir wahrgenommen werden wollen. Es geht darum, was Menschen mit uns verbinden. Ein gutes Gefühl? Liebe? Wärme?

Eine Frage berührt mich dabei als Grabrednerin (diesen Ausdruck mag ich eigentlich nicht, um ehrlich zu sein, aber viele Menschen können nur mit diesem Begriff etwas anfangen, daher pack ich ihn ab und zu in meine Artikel) immer besonders tief: werde ich eigentlich wirklich so gesehen, wie ich bin – oder verschluckt der Alltag alles?


Vielleicht ist es genau dieser Gedanke, der uns präsenter macht. Der uns liebevoll dazu einlädt, kurz innezuhalten und zu prüfen, ob wir in diesem Moment wirklich wir selbst sind. Oder bin ich grade wieder sehr fremdbestimmt unterwegs und kann gar nicht so richtig reinfühlen?


Zurück zur Ausgangsfrage: was würden Deine Menschen über DICH erzählen?


Udn dazu möchte ich mal kurz auf die Lebensrede generell eingehen:


Dein Lebenslauf – oder Dein Lebensgefühl?

Viele Menschen denken bei einer individuellen Trauerrede zuerst an Fakten:

  • Wann bist Du geboren?

  • Welchen Beruf hattest Du?

  • Welche Titel und Erfolge hast Du gesammelt?

Das alles hat seinen Platz. Aber es ist nur die Oberfläche, wenn wir ehrlich sind.

Es ist nicht das, was Dich ausgemacht hat. Ich hatte noch nie eine Lebensrede, in der der berufliche Erfolg viel Raum eingenommen hatte. Weil es im Grunde gar nicht so wichtig ist.


Und - was ich auch noch total wichtig finde: eine Trauerrede soll nicht wie ein vorgelesener Lebenslauf klingen. Vielmehr darf sie davon erzählen, wer Du als Mensch wirklich warst.

Was hinterlässt Du bei Deinen Menschen?

Für mich als Rednerin für Beerdigungen liegt der Kern nicht in Daten, sondern im Lebensgefühl:

  • Wofür hast Du gebrannt?

  • Wovor bist Du manchmal davongelaufen, weil es Dir Angst gemacht hat?

  • Was waren die kleinen, unscheinbaren Momente, die Dich geprägt haben?

  • Über was konnte man mit Dir lachen?

  • Was hast Du Deinen Lieben von Dir gegeben? Und damit meine ich nichts Materielles. Sondern welches Gefühl? Konntest Du gut trösten? Zuhören? Ablenken?

Denn genau daran erinnern sich die Menschen!

Dein Partner erinnert sich nicht an Deinen zweiten Karrieresprung– sondern an die Wärme Deines Körpers, an Deine Art zuzuhören und den Mut, den Du hattest.

Deine Freunde erinnern sich daran, dass Du einfach immer da warst – bedingungslos. Und vielleicht auch daran, wie Du sie getröstest hattest beim Liebeskummer.


Das sind die Geschichten, die bleiben. Und genau diese Geschichten suche ich für meine persönlichen Abschiedsreden. Sie sind es, die trösten. Die verbinden und weiterleben.


Ein liebevoller Blick in die Zukunft


Und jetzt stell Dir nochmals vor, du bist tot.


Und die Rede geht über Dich. Darüber, dass Du Sternenkekse immer in Deinen Kaffee getunkt hast, diesen liebevollen Blick beim Gutenacht-Bussi hattest oder wie man mit Dir gemeinsam ein Glas Wein trinken konnte und über Gott und die Welt reden durfte. Die Themen gingen nie aus mit Dir. Oder wie man sich mit Dir über witzige Instagram-Reels kaputtlachen konnte. Wie Du immer einen Schluckauf bekommen hast, wenn Du zu sehr gelacht hast. Oder wie Du Dein Brot im Restaurant immer zerkrümelt hast, wenn Du aufgeregt warst. Dass man bei Dir einfach man selbst sein konnte.

Oder man sich einfach so wohlgefühlt hat bei Dir, weil Du nie bewertet hast. Die beurteilst hast, sondern sein hast lassen.


Das fühlt sich gut an, oder? Zu wissen: ich habe Liebe gesät. Ich habe einen Unterschied im Leben anderer gemacht.


Und daher halte ich oft inne. Merke, jetzt darf ich mich wieder erden. Wieder darauf besinnen, was ich der Welt, meinen Liebsten geben möchte.

Natürlich klappt das nicht immer. Aber immer öfter ein bisschen. Und dann zaubert sich ein Lächeln auf meine Lippen und ich hoffe, mein Sohn sagt irgendwann mal "bei meiner Mama konnte ich immer all meine Sorgen besprechen, und danach hab ich mich ein Stückchen besser gefühlt"



Ich hoffe, ich konnte Euch ein bisschen inspirieren.

Schaut gern auch mein sehr kurzes YouTube-Video dazu an.




Als Trauerrednerin im Raum München und Umgebung begleite ich Familien dabei, genau diese Essenz eines Lebens zu finden. Denn am Ende ist es nicht der Tod, der das letzte Wort hat – sondern die Liebe und die Geschichten, die wir hinterlassen.

Wenn Ihr eine Trauerrednerin braucht, meldet Euch gerne.



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