Warum ich Trauerrednerin geworden bin: mein Weg zur Lebensrednerin in München
- hannalabita80
- 28. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Dez. 2025

Dieser Blogbeitrag wird heute sehr persönlich. Einfach, weil mir diese Frage so oft gestellt wird und ich glaube, dass es euch wirklich interessiert, warum ich gerade diesen Weg eingeschlagen habe.
Warum bin ich Trauerrednerin geworden?
Ich hatte das nie vor. Ich wusste nicht mal, dass es diese Berufsbezeichnung überhaupt gibt.
Angefangen hat alles mit der Geburt meines Sohnes.
Als der kleine Mann gerade mal vier Monate alt war und mein Mann seine erste Woche Elternzeit begann (ich war schon wieder im Job), passierte es: mein Mann erlitt einen schweren Herzinfarkt. Mit 37 Jahren, sportlich, eigentlich gesund (so dachten wir).
Von einer Sekunde auf die andere stand unser Leben ziemlich kopf. Ich glaube, ich muss niemandem von der Angst erzählen, die ab diesem Zeitpunkt bei uns quasi zu Hause eingezogen war. Ich bin nur noch zwischen Klinik, Arbeit und meiner Mama gependelt. Sie war es auch, die die Betreuung für unseren Sohn übernommen hat, damit alles irgendwie weiterlief.

Mein Mann hat zum Glück ohne größere Schäden überlebt. Reha und Wiedereingliederung standen an. Aber es standen zum Glück auch viele liebe Menschen auf dem Plan, die uns wahnsinnig unterstützt haben. Ohne dieses Netzwerk wäre diese schwere Zeit kaum machbar gewesen.
Doch kaum konnten wir durchatmen, kam ein knappes Jahr später die nächste Hiobsbotschaft: meine Mama wurde schwer krank. So schwer, dass sie ihren Alltag von heute auf morgen nicht mehr gut bewältigen konnte. Meine Schwester und ich mussten lange bangen, ob sie überlebt.
Sie war ja nicht nur unsere Mama, sie war ja auch Oma unserer Kinder und unser Rettungsanker bei der Kinderbetreuung. Das fiel natürlich plötzlich weg. Gleichzeitig war meine Mama auch diejenige, die unsere Oma "gemanagt" hat, die damals an Leukämie erkrankt war. Meine Oma wollte nie in ein Pflegeheim. Sie hatte meine Schwester und mich mit aufgezogen und war wie eine zweite Mama für uns.

Lange Rede, kurzer Sinn: während meine Mama und meine Oma zeitgleich auf der Onkologie im selben Krankenhaus lagen und um ihr Leben kämpften, haben meine Schwester und ich versucht, das Unmögliche zu jonglieren: unsere zwei Patientinnen, unsere Kinder, unsere Jobs.
Meine Oma ist dann tatsächlich sechs Monate später an der Leukämie gestorben. Unsere Mama hat es geschafft, sich aus all dem Mist herauszukämpfen und ist in meinen Augen so so stark, was das angeht. Sie hat diese unglaubliche Gabe, nach vorne zu blicken. Dem Krebs immer den Kampf anzusagen. Bis heute. Und gerade während ich das hier schreibe, ist mein Sohn bei ihr, und ich bin so so dankbar dafür. Sie hat irgendwie gelernt, mit der Krankheit zu leben.
Die Angst als Lehrmeister
Das alles hat aber natürlich Spuren damals hinterlassen. Ich habe eine riesige Angst vor dem Tod entwickelt. Ich war fest davon überzeugt: alle lieben Menschen um mich herum werden krank, sterben weg, und irgendwann trifft es mich und mein Sohn ist Vollwaise.
Aber ich bin ein Mensch, der sich Dingen, die Angst machen, gerne stellt. Ich wollte den Tod nicht mehr als Feind im Nacken haben, also habe ich mich kurzerhand für eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin angemeldet. Dazu muss man wissen: viele, die diese Ausbildung machen, verarbeiten dort ihren eigenen Schmerz. Es ist tatsächlich auch ein bisschen wie eine Selbsttherapie.
Als ich mich angemeldet hatte, habe ich ehrlicherweise gar nicht groß drüber nachgedacht – ob das das Richtige für mich ist und dann wurde ich auch schon direkt reinkatapultiert. Reinkatapultiert in ein Jahr mit 15 anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die den Tod "angehen" wollten. Jeder brachte seine eigene Geschichte mit, und wir lernten, wie man Menschen in schweren Verlustphasen psychologisch beisteht. Als Wirtschaftspsychologin war mir der psychologische Anteil sehr vertraut, und ich sah viele Parallelen. Und als Hanna mit ihrer Geschichte war mir der emotionale Anteil sehr vertraut.
Dieses Jahr war intensiv, schmerzhaft und wahnsinnig bereichernd. Ich verlor die "Angst" vor dem Tod. Er wurde irgendwie ein Gast in meinem Leben – aber ein friedlicher Gast. Ich habe Frieden mit ihm geschlossen. Die Sorge um meine Lieben ist geblieben, aber ich weiß jetzt: Wenn es so weit ist, bin ich nicht allein. Der Tod gehört zum Leben dazu, ob wir wollen oder nicht.
Für mich gab es ein Umdenken. Und dieser Spruch drückt es ziemlich gut aus:
Trauer ist nicht nur das Ende von etwas, sondern das Zeugnis dafür, dass da etwas war, das es wert war, geliebt zu werden.
Der "KLICK"-Moment
Ich sah plötzlich vieles mit anderen Augen, genoss die kleinen Momente mehr und fand es spannend, wie andere Kulturen mit dem Abschied umgehen. Ich merkte, dass wir hier im westlichen Raum dem Tod eigentlich gar keinen Platz einräumen.
Ich arbeitete eine Zeit lang als Trauerbegleiterin (neben meinem Job in der Wirtschaftspsychologie) und hörte eines Tages beim Autofahren den Podcast "Endlich reden wir über den Tod". Dort wurde eine Trauerrednerin interviewt. Und da hat es im wahrsten Sinne KLICK gemacht.
Ich wusste: genau DAS will ich machen. Das ist die Kirsche auf meiner ganz persönlichen Sahnetorte.
Ich habe diese Rednerin gegoogelt, ihr Löcher in den Bauch gefragt und mich nach intensiver Recherche bei den "Freien Rednern" ausbilden lassen. Wieder ein Jahr Ausbildung, IHK-Prüfung, Netzwerken und viel Aufregung. Aber dann hatte ich das Zertifikat in der Tasche und ein felsenfestes Fundament.
Was ich heute für euch tue
Heute bin ich Trauerrednerin in München und unendlich froh darüber. Weil es das ist, was ich tun möchte. Und ich in gewisser Weise meine ganz eigene Erfüllung gefunden habe.
Ich bin dabei unendlich glücklich, meinen Mann noch an meiner Seite zu haben. Der so bisschen mein Cheerleader ist. Und mein stärkster Kritiker bei meinen allerersten Reden war. Mich immer wieder ermutigt hat, einfach ich selber zu sein, auch bei den Reden, weil dass das Allerbeste ist, was ich geben kann.
Ich bin so froh, dass meine Mama noch bei uns ist. Sie sich nicht unterkriegen lässt und wirklich voll in ihrem Oma-Job aufgeht.
Und ich bin froh, dass ich was gefunden habe, was ich liebe. Was sich nicht wie Arbeit anfühlt (ok, manchmal schon, vor allem, wenn man Steuern machen muss :-)).
Wie viele Menschen können das von sich behaupten? Das ist ein Riesenglück.
Ich finde es für mich sehr gut, gleichzeitig Trauerbegleiterin zu sein. Das ist meine Basis, um Familien wirklich sicher begleiten zu können. Ich liebe diesen Job, den ich mit ganzem Herzen ausfülle.
Ich darf Familien in ihrem Schmerz zur Seite stehen – fast wie eine Freundin auf Zeit. Ich kann den Schmerz nicht wegnehmen, aber ich kann versprechen: ich mache die Trauerfeier nicht noch trauriger, als sie ohnehin schon ist. Ich feiere mit euch das Leben, das war.
Gibt es etwas, das ihr mich schon immer mal fragen wolltet?
Schreibt es mir gerne in die Kommentare oder schickt mir eine Nachricht. Ich bin hier, um zuzuhören und eure Fragen rund um das Thema Abschied ganz ohne Tabus zu beantworten.
Eure Hanna




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