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Was die Adventszeit mit der Trauer macht: 4 psychologische Wahrheiten und ehrliche Tipps für Trauernde

Moderner Adventskranz mit vier farbigen Kerzen und Rosen. Blogbeitrag Trauer Advent.

Eine ziemlich brutale Diskrepanz.


Advent. Alles glitzert, duftet nach Plätzchen und klingt nach „Last Christmas“.


Und mittendrin du – mit ganz viel Trauer in deinem Herzen. Mit dieser unfassbaren Leere, die in bestimmten Momenten einfach alles übertönt.


Während draußen die Welt in Glitzer und Hektik schwelgt, fühlst du dich vielleicht wie betäubt. Langsam und müde. Müde vom Schmerz. Und du fragst dich vielleicht auch: Bin ich eigentlich im falschen Film?


Die Adventszeit – sie kann eine der schwierigsten Zeiten im Jahr sein. Denn sie wirkt wie ein Vergrößerungsglas für die Trauer. Alles um dich herum scheint in Lichter getaucht, überall lächeln Familien auf Plakaten, in Filmen, in der Nachbarschaft. Und das, was dir fehlt, das, was du verloren hast, leuchtet dadurch noch greller auf.


Kein Wunder also, dass viele Menschen, die trauern, diese Wochen eher fürchten als genießen. Denn Trauer und Advent sind auf den ersten Blick keine Verbündeten. Ganz und gar nicht. Aber vielleicht – nur vielleicht – können wir gemeinsam ein bisschen hinschauen. Verstehen, warum das so ist. Und entdecken, wo sich trotz allem kleine Inseln der Unterstützung und des Friedens finden lassen.


  1. Der Trauer - Jetlag: warum Trauer langsamer läuft als der Advent


Trauer läuft in einem ganz anderen Tempo als Weihnachten. Während um dich herum alles rast – Geschenke, Termine, Lichter, Lärm – bist du innerlich vielleicht noch bei einem Abschied, der sich anfühlt, als wäre er gestern gewesen.

Manche nennen das den „Trauer-Jetlag“. Du bist in einer anderen Zeitzone unterwegs – in einer, in der Zeit langsamer vergeht, stiller, zäher. Du kommst gar nicht bei dem Tempo des der Anderen mit. Vieles kommt dir einfach unwichtig vor, schal. Das Fest der Liebe wird für dich blanker Hohn, weil Du ja einen sehr lieben Menschen verloren hast.


Mein ehrlicher Tipp: Fordere Dein Recht auf Langsamkeit ein


Mein liebevoller Gedankenanstoß: Du darfst das Tempo runterdrehen. Du musst da nicht mitrennen. Du musst nicht glücklich sein gerade. Du darfst traurig sein.

Und du darfst Nein sagen –Nein zu Weihnachtsfeiern, Nein zu Deko, Nein zu all dem Muss, das andere so mühelos zu erfüllen scheinen.


Fordere dein Recht auf Langsamkeit ein. Weil dein Herz gerade anderes leistet.

Und ja – ich weiß, manchmal ist das leichter gesagt als getan. Vor allem, wenn du Kinder hast, die sehnsüchtig aufs Christkind warten.


Ich bin selbst Mama. Ich weiß, wie sehr mein Sohn Weihnachten liebt – und dass ich ihm dieses Leuchten nicht nehmen möchte. Aber ich habe gelernt: ich darf unterscheiden.

Ich darf für ihn Weihnachten vorbereiten – Plätzchen backen, Lichter anzünden, Geschichten vorlesen –und trotzdem innerlich spüren, dass mir gerade nicht nach all dem Glitzer ist.

Ich darf milde mit mir sein. Ich muss innerlich nicht mitfeiern, wenn mir nicht danach ist. Ich darf einfach da sein – so wie es gerade geht.

Weihnachten darf auch still sein. Und trotzdem voller Liebe.



  1. Die Ambivalenz der Rituale: wenn Traditionen Schmerz statt Trost bringen

Kerzen anzünden. Vanillekipferl backen. „Oh du fröhliche“ singen.

Klingt nach Geborgenheit – und kann gleichzeitig einfach so wehtun. Kann innerlich zerreissen.


Rituale, die früher schön und vertraut waren, betonen plötzlich das, was fehlt.

Die Hand, die nicht mehr Teig ausrollt. Die Stimme, die nicht mehr mitsingt.

Aber wenn man das alles nicht ganz boykottieren kann oder möchte, glaube ich, können genau diese Rituale auch Trost bringen.

Es kann unter Umständen auch ein bisschen Nähe schaffen zu dem Menschen, der fehlt.


Der Ritual-Test: wann Plätzchen backen pausieren darf

Mein liebevoller Gedankenanstoß: mach den Ritual-Test. Probiere eine Tradition wie z.B. Plätzchen backen ganz bewusst nur testweise aus – und spür in dich rein. Tut es dir gut, den Teig zu rollen, Plätzchen auszustechen und zu verzieren? Oder reißt dich das gerade einfach nur komplett runter und die Traurigkeit überrollt dich?


Beides kann sein, und beides ist völlig okay. Okay im Sinne von: horch in dich rein und entscheide dann, was bleibt und was dieses Jahr Pause hat.



  1. Die erzwungene Intimität - Isolation statt Fest der Liebe


Und, freust du dich schon auf Weihnachten?

Ein harmloser Satz, der sich für Trauernde wie ein Stich anfühlen kann.


Denn diese Zeit will Nähe. Familie. Lächeln. Aber was, wenn du dich einfach nur leer fühlst? Wenn du keine Kraft für Gespräche hast oder dir Smalltalk gerade sinnlos vorkommt? Weihnachtsfeiern mit dem Sportverein oder mit der Arbeit scheinen plötzlich schirr unmöglich.

Und viele ziehen sich dann zurück, zu Recht. Und das nicht weil sie nicht mögen, sondern weil sie einfach nicht können. Und das ist auch gut so! Die Feiern können auch ohne uns mal stattfinden. Ich glaube, wir dürfen da lernen, an uns zu denken. Und nicht an die Anderen.


Dein Trauer-Anker: So schaffst du dir einen sicheren Hafen

Mein liebevoller Gedankenanstoß: wie wäre es, wenn du dir einen Trauer-Anker suchst? Das ist eine Person, bei der du ehrlich sein darfst. Bei der du ungefiltert deine Gefühle rauslassen darfst. Die du vielleicht auch mal NACH einer Weihnachtsfeier, die du nicht abgesagt hast anrufen darfst und weinen darfst. Die da ist für dich, wenn du sie brauchst und dir nicht das Gefühl gibt, dass die Trauer nun keinen Platz hat. Mit der du das vorher auch abgesprochen hast.


Oder – wenn du magst – können auch Orte wie dieser Blog dein Trauer-Anker. Mir persönlich hilft es immer sehr, mich in Themen einzulesen. Gleichgesinnte zu finden, und zu sehen, Anderen geht es ganz genauso. Ich fühle mich dann immer weniger allein.



  1. Die Erlaubnis, beides zu sein: Trauer und Hoffnung nebeneinander


Trauer und Advent – das klingt erst mal unvereinbar. Aber vielleicht geht es gar nicht darum, sich entscheiden zu müssen.


Du darfst traurig und empfänglich sein. Für kleine Weihnachtslichter und flackenden Kerzen. Für einen Moment Ruhe. Für das eine Lied, das dich gleichzeitig weinen und lächeln lässt.


Trauer ist kein Gegenspieler der Liebe – sie ist ihr Beweis. Und manchmal zeigt sie sich eben mitten im Kerzenschein eines Adventkranzes.


Was meine Oma und ihr Adventskranz mich über Trauer im Advent lehrten


Meine Erfahrungen als Trauerrednerin: Trauergespräche im Advent sind besonders schwierig. Das merke ich immer wieder. Die Menschen haben Weihnachten vor Augen, können sich nicht vorstellen, wie sie das Fest ohne ihren Menschen feiern sollen, und dadurch ist da eine ganz besondere Schwere immer in der Luft.


Und natürlich verändert die Adventszeit sich enorm, wenn jemand fehlt. Aber was ich für mich feststellen durfte: sie verliert nicht ihren Sinn – sie bekommt vielmehr einen neuen Sinn. Einen stilleren vielleicht und ernsthafteren Sinn. Und manchmal sogar einen ehrlicheren. Aber das dauert, braucht Zeit.


Ich zum Beispiel nutze seit dem Tod eines lieben Menschen in meiner Familie einen ganz bestimmten Adventskranz. Nämlich den Adventskranz meiner Oma. Mit der ich aufgewachsen bin. Die für mich wie eine zweite Mama war. Die immer nach der Schule mit Mittagessen auf meine Schwester und mich gewartet hat.

Aber bis ich ihren Adventskranz genutzt habe, hat es gedauert.

Am Anfang war dieser Kranz für mich nicht so gut auszuhalten. Er hat nur Schmerz in mir ausgelöst – Erinnerungen und Traurigkeit. Weil Weihnachten immer fest mit meiner Oma verknüpft war.

Der Kranz ist aus Holz, schlicht, fast unscheinbar. Ehrlich gesagt: rein optisch würde ich ihn mir nie selbst aussuchen. Und doch hole ich ihn jedes Jahr wieder aus dem Keller.

Weil er mich erinnert. An den Menschen, der mich mit aufgezogen hat. Der mir gezeigt hat, was Liebe bedeutet.

Und mein Mann erinnert mich jedes Jahr daran, genau diesen Kranz wieder hinzustellen. Weil er weiß, was er für mich bedeutet.

Also steht er da – manchmal zwischen Traurigkeit und Dankbarkeit –und wird zu einem stillen Symbol für meine Erinnerung an meine Oma und für meine Liebe an sie. Die ich oft als selbstverständlich gesehen habe, als sie noch gelebt hat.


Das ist übrigens der Adventskranz meiner Oma:

Ein Adventsgesteck aus einem geschwungenen, dunklen Stück Treibholz, das auf einem hellen Holzboden liegt. Auf dem Holz sind vier zylindrische, mintgrüne Kerzen in goldfarbenen Haltern befestigt. Die Kerze ganz rechts brennt. Zwischen den Kerzen ist das Holz mit kleinen goldenen Beeren und einem Zweig mit feinen, drahtähnlichen Goldverzierungen geschmückt.

Und jetzt ist der Advent wieder sehr von ihr geprägt. Aber das geht nicht von jetzt auf gleich. Das hat tatsächlich Jahre gebraucht.


Und als Trauerrednerin erlebe ich das immer wieder. Ist der Schmerz frisch, ist der Advent oft eine schwierige Zeit. Eine sehr schwierige Zeit. Fast nicht zu bewältigen. Aber im Laufe der Jahre kann sich das wandeln. In eine Zeit der Erinnerungen. Es tut immer noch weh, aber die Erinnerungen lassen uns auch immer öfter lächeln. An diesen besonderen Menschen, den wir in unserem Leben hatten.



Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Gedanken zur Adventszeit ein bisschen inspirieren, euch das Gefühl vermitteln "ihr seid nicht allein".


Eure Hanna


P.S. Die Trauerrede ist der wichtigste Abschied. Ich helfe Euch, die Geschichte Eures

Menschen liebevoll und echt in Worte zu fassen – gerade, wenn die Adventszeit alles noch schwerer macht.












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