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Eigene Beerdigung planen: Was ich mir wünsche – und warum es ein Geschenk der Liebe ist

Barfüßige Person in einem herbstlichen Wald hält Schuhe in der Hand, Symbol für den Lebensweg und die Verbindung zur Natur bei einer Beerdigung.

Neulich saß ich mit einer Freundin beim Essen. Und irgendwie kamen wir aufs Thema Tod zu sprechen – ich weiß nicht mehr genau wie. Vielleicht weil ich gerade von einer Trauerfeier kam.

Jedenfalls sagte ich: "Weißt du, ich habe meine eigene Beerdigung schon ziemlich genau geplant." Sie starrte mich an, als hätte ich gerade gesagt, ich würde nachts Friedhöfe besuchen. "Das ist doch... morbide, oder?"

Nein. Es ist nicht morbide. Es ist das Gegenteil.


Warum ich als Trauerrednerin über meine eigene Beerdigung nachdenke


Ich bin Trauerrednerin in München.

Ich habe mittlerweile sehr viele Trauerfeiern begleitet. Und dabei habe ich Familien erlebt, die genau wussten, was sich ihre Verstorbenen gewünscht haben. Und ich habe Familien erlebt, die sehr ratlos vor mir saßen und sich fragten: "Was hätte sie gewollt? Was hätte ihm gefallen?"

Der Unterschied zwischen diesen beiden Situationen ist so enorm.

Wenn Menschen ihre Wünsche klar gemacht haben, wird die Trauerfeier zu einem echten Geschenk. Sie wird zu einer Feier des Lebens. Wenn das nicht klar ist, kann die Trauerfeier schnell zu einer Überforderung in der Trauer werden. Die Angehörigen müssen nicht raten, sondern sie können trauern.

Deshalb denke ich über meine eigene Beerdigung nach. Nicht weil ich morbide veranlagt bin (vielleicht doch ein bisschen, bedingt durch den Job :-)), sondern weil ich die Menschen lieb hab, die zurückbleiben werden. Ich möchte ihnen diese Last abnehmen.


Meine persönlichen Wünsche für eine Lebensfeier


Die Musik


Ich möchte, dass bei meiner Trauerfeier gelacht wird. Nicht nur geweint. Deshalb soll fröhliche Musik laufen. Ich habe tatsächlich kein Lieblingslied. Beziehungsweise das wechselt immer. Aber mein Sohn weiss, was ich gerne höre und ist immer auf dem aktuellsten Stand. Und das sollte dann auch gespielt werden.

Ich möchte, dass meine Freundin Patrizia Steinhorst (auch eine wahnsinnig gute Rednerin übrigens, in Aschaffenburg) spricht. Ich möchte, dass die Leute schmunzeln müssen. Dass sie denken: "Typisch Hanna." Ich möchte im wahrsten Sinne keine Trauerfeier, sondern eine LEBENSfeier.

Bevor Ihr nun denkt, ich bin total abgefahren: ich möchte natürlich, dass diese Lebensfeier noch in weiter Ferne liegt! Aber man weiss nie, was das Leben für einen bereithält.


Der Ort


Keine dunkle Trauerhalle, bloß nicht. Ich möchte draußen sein, wenn es geht. Im Wald oder auf einer Wiese. Irgendwo, wo die Sonne durchs Blätterdach fällt. Wo man den Wind hört. Wo Leben ist. Am liebsten wäre mir ein Friedwald, aber wo, dürfen meine Angehörigen entscheiden. Wenn sie nämlich einen Ort zum Trauern brauchen, darf es auch gerne ein Friedhof in ihrer Nähe sein. Wenn sie so gestrickt sind wie ich, und ich meine Trauer nicht verorten muss, dann möchte ich gern ein kleines Bäumchen z.B. hier am Naturfriedhof Ammersee oder Waldruh Kronwinkel. Da kenn ich die jeweils sagenhaften und liebenswerten Frauen, die die Wälder pflegen und lieben. Aber auch der Waldfriedhof München ist wunderschön. Und auf alle näher zu meinem Zuhause.


Die Rede


Ich möchte, dass über mein Leben gesprochen wird. Über die verrückten Dinge, die ich gemacht habe. Den 100-km-Marsch. Die spontanen Reisen im Wohnmobil. Die Momente, in denen ich um 5 Uhr morgens voller Energie war und alle anderen genervt habe (hab ich Euch erzählt, dass eine meiner besten Freundinnen im Urlaub mir verboten hat, mich bis um 7:00 zu rühren? Weil ich ja um 5 schon immer putzmunter bin :-)). SOWAS soll erzählt werden.

Ich möchte, dass erzählt wird, wie sehr ich Bücher geliebt habe. Dass immer eins in meiner Hand war, und ich mit dem eReader nie ganz warm geworden bin. Dass ich Menschen geliebt habe – mit all ihren Ecken und Kanten. Dass ich manchmal ein Wutteufelchen sein konnte und auch sehr liebevoll war. Ich leidenschaftlich gern gekocht habe für Menschen, die mir wichtig waren. Und ich möchte, dass gesagt wird: Sie ist gegangen, aber sie hat gelebt. Richtig gelebt.


Was ich NICHT will


  • Keine Phrasen. Bitte keine Sätze wie "Sie ist eingeschlafen" oder "Sie hat den Kampf verloren". Ich bin gestorben. Das darf man sagen.

  • Keine schwarze Kleidung als Pflicht. Wer Schwarz tragen möchte, gerne. Aber wer Farbe tragen will – erst recht gerne.


Was ich in meinen vielen Trauerfeiern gelernt habe


Die besten Abschiede sind die persönlichen

Ich erinnere mich an eine Trauerfeier, bei der die Tochter erzählte, ihr Vater habe jeden Morgen zu laut gesungen unter der Dusche. Und die ganze Familie gelacht hat. Weinend, aber lachend. Dann spielten wir sein Lieblingslied – einen alten Schlager. Es war perfekt. Oder die Feier, bei der wir das Leben einer Frau feierten, die Motorrad gefahren ist. Bis zum Schluss. Ihre Freunde kamen in Lederjacken. Wir spielten Rockmusik. Es war laut, aber es war so sehr SIE. Das sind die Momente, in denen ich denke: Genau so soll es sein.


Die schlimmsten Momente sind die unsicheren

"Wir wissen nicht, was sie gewollt hätte." Dieser Satz ist immer bisschen schwierig. Weil die Familie dann versucht, es richtig zu machen. Und sich gleichzeitig fragt, ob es richtig ist. Ich ermutige die Familien dann, dass sie es so machen dürfen, wie SIE es für richtig halten. IHRE Lieder aussuchen. Aber ich merke eben, wie es ist, wenn der oder die Verstorbene vorab das schon mitgeteilt hat. Dann ist da immer eine Riesenerleichterung bei den Angehörigen.


Menschen brauchen Erlaubnis zu trauern – auf ihre Art

Wenn ich eins gelernt habe als Trauerrednerin und Trauerbegleiterin: Es gibt nicht die eine richtige Art zu trauern. Manche Menschen weinen laut. Andere sitzen still da. Manche lachen über Erinnerungen. Andere können noch nicht lachen. Alles ist richtig, nichts ist falsch oder nicht normal (das fragen mich tatsächlich die Familien immer wieder, ob das "normal" ist, nicht weinen zu können zum Beispiel). Aber es hilft enorm, wenn die Verstorbenen selbst gesagt haben: "Es ist okay zu lachen. Es ist okay zu weinen. Macht, was euch guttut."


Die 5 wichtigsten Fragen, die du dir stellen darfst, wenn es ums Thema "die eigene Beerdigung planen" geht


Du musst jetzt nicht alles planen.


Aber diese fünf Fragen können einen Anfang machen, wenn es ums Thema "die eigene Beerdigung planen" geht:


  1. Welche 3 Lieder sollen bei deiner Trauerfeier laufen?  Denk nicht an "angemessene" Trauermusik. Denk an die Lieder, die dich berühren.

  2. Was soll über dich gesagt werden?  Was ist wahr über dein Leben? Wofür möchtest du in Erinnerung bleiben?

  3. Gibt es etwas, das du NICHT möchtest?  Bestimmte Rituale? Bestimmte Orte? Schreib es auf.

  4. Wer soll die Rede halten?  Ein Familienmitglied? Ein Freund? Eine freie Rednerin?

  5. Welche Atmosphäre wünschst du dir?  Feierlich? Leicht? Nachdenklich? Fröhlich?


Warum dieser Gedanke befreit


Meine Freundin hat mich nach unserem Gespräch zwei Tage später angerufen. "Ich habe nachgedacht", sagte sie. "Du hast recht. Ich will auch nicht, dass meine Familie raten muss." Sie hat angefangen, ihre Wünsche aufzuschreiben. Nicht weil sie Angst vor dem Tod hat, sondern weil sie ihre Familie lieb hat.

Genau darum geht es. Über die eigene Beerdigung nachzudenken, ist kein Zeichen von Angst. Es ist ein Zeichen von Liebe. Es ist ein Geschenk an die Menschen, die bleiben. Und vielleicht ist es auch ein Geschenk an dich selbst. Weil du dich fragst: Wie will ich gelebt haben? Was ist mir wirklich wichtig? Wofür will ich stehen?

Diese Fragen verändern manchmal das Leben. Nicht nur den Tod.


Ein Vorschlag:  Sprich darüber. Mit deiner Familie, mit Freunden - beim Kaffee, beim Spaziergang, beim Abendessen. Es muss kein schweres Gespräch sein. Es kann leicht sein. Fast lustig. "Wenn ich mal sterbe, will ich auf keinen Fall diese furchtbaren Standardblumen..."

Fang klein an. Aber fang an. Und wenn du möchtest, schreib deine Wünsche auf. Einfach als Anfang. Du kannst sie jederzeit ändern. Aber du hast sie festgehalten.

Deine Hanna


PS: Ich habe für dich eine kleine Vorlage erstellt: "Meine Wünsche für meine Trauerfeier". Ein paar Fragen, ein bisschen Platz für Gedanken. Schreib mir gerne, wenn du sie haben möchtest. Oder sprich mich einfach darauf an, wenn wir uns sehen.


Du suchst eine Trauerrednerin in München und Bayern? Ich bin Hanna Labita – freie Trauerrednerin und Traurednerin. Ich habe über 100 Trauerfeiern begleitet und glaube fest daran, dass jeder Abschied so einzigartig sein sollte wie das Leben, das gefeiert wird. Wenn du Fragen hast oder ein unverbindliches Gespräch möchtest – schreib mir. Ich bin für dich da.



Oder du rufst mich einfach an: 0176 2387 0300.

Whats App habe ich auch :-)

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