Was eine Motorrad-Rockerin, ein 98-jähriger Gärtner und eine alleinerziehende Mutter gemeinsam haben – Geschichten aus Trauerfeiern
- hannalabita80
- 23. März
- 5 Min. Lesezeit

Ich werde ganz oft gefragt: "Ist das nicht furchtbar traurig, was du machst?"
Nein. Es ist das Gegenteil.
Ich bin Trauerrednerin in München und Umland.
Ich habe mittlerweile viele Trauerfeiern begleitet. Und heute möchte ich Euch Geschichten aus meinen Trauerfeiern erzählen. Aus dem Nähkästchen plaudern.
Weißt du, was ich dabei gelernt habe? Dass am Ende nur eines zählt: Wie sehr du gelebt hast. Nicht wie lange. Sondern wie du dein Leben gefüllt hast.
Lass mich dir von ein paar Menschen erzählen, die ich begleiten durfte. Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und die doch alle dasselbe gemeinsam hatten.
Die Motorrad-Rockerin
Sie hieß Petra. 67 Jahre alt. Und sie ist auf ihrem Motorrad gestorben.
Als ich das erste Mal mit ihrer Familie sprach, saßen da vier Frauen in Lederjacken. Ihre Biker-Crew. Sie erzählten von Petra, als wäre sie gerade nur kurz rausgegangen.
"Sie hat nie aufgehört", sagte eine. "Bis zum Schluss ist sie gefahren. Die Ärzte haben gesagt, mit ihrem Herzen sollte sie vorsichtig sein. Aber Petra meinte nur: Dann sterbe ich lieber auf der Straße als im Bett."
Und das ist sie dann auch. Auf der Straße gestorben.
Bei ihrer Trauerfeier kamen die Leute in Leder. Wir spielten AC/DC. Und Metallica. Es war laut. Es roch nach Motoröl und nach Freiheit. Es war eine Lebensfeier, die einfach so sehr zu Petra gepasst hat.
Ihre beste Freundin sagte in ihrer Rede: "Petra hat nicht lange gelebt. Aber sie hat verdammt intensiv gelebt."
Ich stand da vorne und dachte: Genau so soll es sein.
Was ich gelernt habe: Petra hat sich nie unterkriegen lassen, sich nie verunsichern lassen. Sie hat gemacht, was sie wollte. Auch wenn andere den Kopf schüttelten. Sie hat ihr Leben auf ihre Art gelebt, bis zur letzten Sekunde.
Der 98-jährige Gärtner
Herr Huber. Fast ein Jahrhundert alt. Und jeden Tag in seinem Garten.
Seine Enkelin erzählte mir, dass er bis drei Wochen vor seinem Tod noch Tomaten gesät hat. "Er hat gewusst, dass er sie nicht mehr ernten wird", sagte sie. "Aber er hat sie trotzdem gepflanzt. Für uns."
Bei der Trauerfeier haben wir seinen Garten in Bildern gezeigt. Jahrzehnte voller Blumen, Gemüse, Bäume. Alles, was er mit seinen Händen geschaffen hat.
Sein Sohn sagte: "Papa hat nie viel Geld gehabt. Aber er hat uns einen Garten hinterlassen, in dem wir auch in 20 Jahren noch sitzen werden. Unter den Bäumen, die er gepflanzt hat."
Ich musste schlucken. Weil ich verstand: Das ist Vermächtnis. Nicht Geld oder ein Titel. Sondern etwas, das bleibt. Wie der Garten, wie die Tomaten und die Bäume und die Blumen.
Was ich gelernt habe: Herr Huber hat nicht darauf gewartet, dass das Leben perfekt wird. Er hat einfach angefangen. Jeden Tag. Auch wenn er wusste, dass er die Früchte vielleicht nicht mehr sehen wird. Er hat für andere gesät.
Die alleinerziehende Mutter
Sandra. 42 Jahre alt. Sie hatte Krebs.
Sie hat zwei Kinder hinterlassen. 12 und 15 Jahre alt. Und als ich mit ihnen sprach, sagten sie etwas, das ich nie vergessen werde.
"Mama hat uns nie angelogen", sagte der Ältere. "Als sie krank wurde, hat sie uns die Wahrheit gesagt. Sie hat mit uns geweint. Aber sie hat auch mit uns gelacht. Bis zum Schluss."
Sandra hat in ihren letzten Monaten Briefe geschrieben. Für jeden Geburtstag ihrer Kinder. Bis sie 18 sind. In den Briefen steht, was sie ihnen mitgeben möchte. Was sie stolz auf sie macht. Was sie sich für sie wünscht.
Bei der Trauerfeier haben wir den ersten Brief vorgelesen. Den zum 13. Geburtstag ihres Jüngsten. Darin stand: "Du darfst traurig sein. Du darfst wütend sein. Aber vergiss nie: Ich liebe dich. Und ich bin stolz auf dich. Auch wenn ich nicht mehr da bin."
Es gab keinen, der nicht geweint hat. Selbst jetzt, enn ich das hier aufschreibe kommen mir wieder die Tränen.
Was ich gelernt habe: Sandra hatte nicht viel Zeit. Aber sie hat die Zeit, die sie hatte, genutzt. Sie hat ihre Kinder nicht geschont. Sie hat sie vorbereitet. Und sie hat ihnen das Wichtigste gegeben: Die Gewissheit, geliebt zu sein.
Was sie alle gemeinsam hatten
Petra, Herr Huber und Sandra waren komplett unterschiedliche Menschen. Unterschiedliche Leben. Unterschiedliche Geschichten.
Aber sie hatten alle dasselbe:
Sie haben gelebt.
Nicht irgendwann, nicht "wenn die Umstände besser sind". Nicht "wenn ich mehr Zeit habe". Sondern jetzt.
Petra ist Motorrad gefahren, obwohl es gefährlich war.
Herr Huber hat Tomaten gesät, obwohl er wusste, dass er sie nicht ernten wird.
Sandra hat Briefe geschrieben, obwohl es wehtat.
Sie haben nicht gewartet. Sie haben einfach gemacht.
Und weißt du,was mir immer wieder auffällt, bei den dreien aber wieder ganz besonders? Niemand bei ihren Trauerfeiern hat über Geld gesprochen. Über Karriere. Über Erfolg im klassischen Sinn. Das ist nicht wichtig. Ist es tatsächlich eigentlich nie.
Wir haben über Momente gesprochen. Über Lachen und über Liebe, über die kleinen Dinge, die jemanden ausgemacht haben.
Die Frage, die ich dir stellen möchte
Ich habe viele Trauerfeiern begleitet. Und jedes Mal, wenn ich nach Hause fahre, stelle ich mir dieselbe Frage:
Lebe ich eigentlich?
Nicht: Funktioniere ich. Nicht: Erledige ich meine To-Do-Liste. Sondern: Lebe ich wirklich?
Mache ich die Dinge, die mir wichtig sind? Oder verschiebe ich sie auf später?
Sage ich den Menschen, die ich liebe, dass ich sie liebe? Oder denke ich nur "die wissen das schon"?
Traue ich mich, anders zu sein? Oder passe ich mich an, weil es einfacher ist?
Das sind die Fragen, die bei Trauerfeiern laut werden. Weil am Ende zählt nur: Hast du gelebt? Oder hast du existiert?
Die Trauerfeiern erden mich. Wenn ich gestresst bin, wenn ich wieder in den Funktionier-Modus rutsche.
Was ich bei den Geschichten aus Trauerfeiern immer wieder höre
"Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit mit ihr verbracht."
"Ich wünschte, ich hätte ihm gesagt, wie wichtig er mir ist."
"Ich wünschte, ich hätte sie gefragt, wie es ihr wirklich geht."
Ich wünschte. Ich wünschte. Ich wünschte.
Aber weißt du, was ich fast nie höre?
"Ich wünschte, sie hätte mehr gearbeitet."
"Ich wünschte, er hätte ein größeres Auto gehabt."
"Ich wünschte, sie wäre perfekter gewesen."
Das sagt niemand.
Stattdessen erzählen die Menschen von den kleinen Momenten. Von dem Lachen beim Nachbarschaftsratsch. Von den Spaziergängen am Sonntag. Von den schlechten Witzen beim Essen. Von den langen Gesprächen in der Küche.
Von dem, was wirklich zählt.
Mein Wunsch für dich
Warte nicht.
Nicht auf den perfekten Zeitpunkt. Nicht auf mehr Geld, nicht auf weniger Stress und nicht auf irgendwann.
Ruf die Person an, die dir wichtig ist.
Mach die Reise, von der du schon ewig träumst.
Sag die Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist.
Pflanz die Tomaten, auch wenn du nicht weißt, ob du sie ernten wirst.
Fahr das Motorrad, wenn es dich glücklich macht.
Schreib die Briefe, bevor es zu spät ist.
Lebe. Jetzt. Nicht irgendwann.
Denn wenn ich eines bei den Trauerfeiern gelernt habe, dann das:
Am Ende bereuen die Menschen nicht, was sie gemacht haben. Sie bereuen, was sie nicht gemacht haben.
Die Geschichte, die über dich erzählt wird
Stell dir vor, irgendwann sitze ich mit deiner Familie zusammen. Und ich frage: "Erzähl mir von ihr. Erzähl mir von ihm."
Was würden sie sagen?
Würden sie von deinen Ängsten erzählen? Oder von deinem Mut?
Von deiner Vorsicht? Oder von deiner Lebendigkeit?
Von dem, was du nicht gemacht hast? Oder von dem, was du gewagt hast?
Du entscheidest das. Jeden Tag aufs Neue.
Deine Hanna
PS: Petra, Herr Huber und Sandra haben mir gezeigt, dass es am Ende nur eine Frage gibt: Hast du gelebt? Ich hoffe, wenn jemand irgendwann über mich spricht, kann er sagen: Ja. Sie hat gelebt. Richtig gelebt.
Und ich hoffe, dass man das auch über dich sagen kann.
Du suchst eine Trauerrednerin in München und Bayern?
Ich bin Hanna Labita – freie Trauerrednerin und Traurednerin. Ich habe über 100 Trauerfeiern begleitet und glaube fest daran, dass jeder Abschied so einzigartig sein sollte wie das Leben, das gefeiert wird.
Wenn du Fragen hast oder ein unverbindliches Gespräch möchtest – schreib mir. Ich bin für dich da.
Oder du rufst mich einfach an: 0176 2387 0300.
Whats App habe ich auch :-)




Kommentare