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Was kommt nach dem Tod? Zwischen Kopfmensch, Gänseblümchen und Bauchgefühl

28. Sept.
3 Min. Lesezeit
rauerrednerin Hanna Labita aus München blickt lächelnd in die Kamera, während sie ein Mikrofon in der Hand hält.

Ich bin ja Trauerrednerin, wie Ihr alle wisst. Trauerrednerin mit ganzem Herzen. 


Dabei gibt es eine Sache, mit der ich immer wieder struggle: ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Ich glaube nicht an den Himmel, ich glaube nicht, dass die Seele noch da ist, ich glaube, da ist nichts mehr.


Und oft finde ich meinen „Nicht-Glauben“ traurig und ja, trostlos. Denn ich kann mich an nichts klammern. Immer wieder hab ich die Erfahrung gemacht, dass gläubige Menschen mit schweren Schicksalsschlägen besser umgehen als Menschen wie ich, die nicht gläubig sind.

Und neulich hab ich einen Jungen verabschiedet. Er war noch sehr jung, gerade mal 19 Jahre alt. Und ob Ihr es glaubt oder nicht (oder besser: ob ICH es glaub oder nicht): ich hab da was gespürt. Eine Art Energie vielleicht? Ich hätte schwören können, der Junge war mit in der Aussegnungshalle. Es war ganz seltsam, und mit Worten auch kaum zu beschreiben.


Aber in mir hat sich ein enormer innerer Frieden eingestellt, als ich angefangen habe zu sprechen, und gefühlt hab ich ihn lachen und weinen gespürt.

Da ich ein doch recht rationaler Mensch bin, der nur glaubt, was er sieht, war das etwas verwirrend für mich. Könnt Ihr mir glauben!

Und seitdem überlege ich ständig, ob ich einfach nur ein Mensch bin, der nicht zugänglich ist für sowas, weil ich bei diesen Dingen eher ein Kopfmensch bin?


Vom Verfassen der Abschiedsrede und heimlichen Zwiegesprächen


Dazu möchte ich auch noch was erzählen. Manchmal, wenn ich die Reden als Trauerrednerin in München]schreibe, hab ich auch das Gefühl, der Mensch, über den ich grad schreibe, schaut mir „zu“. Und ich fange dann an, mit ihm zu reden. So nach dem Motto: „Und Ernst, wollen wir das genauso schreiben oder sollen wir lieber abschwächen? Wie gefällt es Dir?“.

Diese Zwiegespräche habe ich für MICH noch nie in Frage gestellt. Ich hab sie nicht mal bemerkt. Mein Sohn hat mich drauf angesprochen. Er hat irgendwann gemeint, mit wem ich eigentlich ständig rede, weil ich mein Headset (sicheres Zeichen für ihn, dass ich in einem Meeting bin) nicht aufhabe.


Und jetzt?

Tja, irgendwie bin ich nicht weitergekommen. Ich glaube, ich glaube nicht, ich glaube, ich glaube nicht. Wie beim Gänseblümchen-Abpflücken. Eine meiner besten Freundinnen hat mir neulich erzählt, sie glaubt an Wiedergeburt. Das war sehr überraschend für mich. Denn diese Freundin hat mit dem Buddhismus oder Hinduismus gar nichts am Hut. Sie macht nicht mal Yoga! (Kleiner Scherz am Rande :-))


Ich rede einfach weiterhin mit meinen verstorbenen Menschen, wenn ich ihre Abschiedsrede schreibe. Ich begrüße sie vor der Trauerfeier und sag: „Das machen wir heute zu zweit, ja?“ und dann geh ich erst zum Pult.


Ich fände es schön, wenn es einen Himmel gäbe, wo alle auf Wolken sitzen und glücklich sind. Oder es irgendwie enorm FRIEDLICH und schön ist.


Ich glaube, ich glaube nicht: wieviel Raum Verstorbene behalten


Aber erfahren werde ich es erst, wenn ich selber an der Reihe bin. Bis dahin ble

ibe ich vermutlich irgendwo dazwischen.


Ich glaube. Ich glaube nicht. Ich glaube. Ich glaube nicht.


Und vielleicht muss ich mich auch gar nicht entscheiden.


Vielleicht reicht es, dass ich diese Momente nicht mehr sofort wegargumentiere. Dass ich den 19-jährigen Jungen an diesem Tag einfach bei mir in der Aussegnungshalle sein lasse. Dass Ernst beim Schreiben neben mir sitzen darf. Und dass ich vor einer Trauerfeier in München weiterhin kurz Hallo sage, bevor ich ans Pult gehe.


Ob da wirklich jemand ist? Keine Ahnung.


Aber wenn ich als freie Trauerrednerin eines gelernt habe, dann vielleicht das:

ein Mensch kann aufhören zu leben und trotzdem noch verdammt viel Raum einnehmen.


In unseren Gedanken und in unseren Geschichten. In der Art, wie wir bestimmte Sätze sagen, bestimmte Lieder hören oder plötzlich über etwas lachen, worüber genau dieser Mensch auch gelacht hätte.

Meine Oma hat zum Beispiel immer gesagt: „Da hast du Lehrgeld bezahlt“, wenn was schiefgegangen ist, aber man eben draus gelernt hat. Das kommt mir ganz oft in den Sinn. Und genau dann ist meine Oma bei mir.


Ob das nun Seele ist, Energie, Erinnerung oder einfach Liebe, die sich nicht so leicht aus unserem Leben verabschieden lässt?


Da such ich mir einfach was aus.

Und pflücke derweil weiter mein Gänseblümchen.

Ich glaube. Ich glaube nicht. Ich glaube …



Eure Hanna


P.S. Was denkt Ihr daüber? Schreibt mir gern !



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